Berlin-Marathon am 20.09.2009
Der Wetterbericht sagte in Berlin für das Wochenende Sonnenschein und 26 Grad voraus.
So fuhr dann die ganze Familie am Samstag Vormittag mit dem Auto nach Berlin. Schon auf der Autobahn wunderten wir uns über die vielen dänischen Freunde, die offensichtlich das gleiche Ziel hatten. Ein Blick in die Statistik zeigte uns später, dass von den 40.000 Anmeldungen rund die Hälfte aus Deutschland und fast 5.000 allein aus dem kleinen Dänemark kamen. Rot-weiß sollte dann auch am Sonntag die dominierende Trikotfarbe unter den Läufern und den Fähnchen schwenkenden Zuschauern sein.
Während die Familie am Nachmittag zum Stadt- und Einkaufsbummel startete, holte ich am nostalgischen Flughafen Tempelhof meine Startnummer ab und schaute anschließend beim Skater-Rennen zu. Unglaublich, wie die Profis bei einem Schnitt von 40 km/h im Gleichschritt mit minimalem Abstand im Windschatten hintereinander herjagen und kaum mehr als 1 Stunde für die 42 km benötigen. Die Idee meiner Fangruppe, die Marathonstrecke am Samstagabend mit dem Auto abzufahren, um so einmal eine erweiterte Stadtrundfahrt durch Berlin zu erleben, konnte mich naturgemäß wenig begeistern. Wegen der vielen Ampeln wären wir bestimmt 1,5 bis 2 Stunden unterwegs gewesen, also fast solange wie die schnellsten Läufer, wenn alle Ampeln auf grün stehen.
Nach meinem Debüt 2008 in Berlin sollte es mein zweiter Marathon werden, wieder angetrieben von einer beeindruckenden Kulisse aus rund 1 Mio. Zuschauern, 70 Bands und unzähligen einfallsreichen, aufmunternden Plakaten entlang der Strecke.
Auch auf der Strecke wurde es nach dem Start recht bald eng, nachdem wir die Siegessäule passiert und die 8-spurige Straße des 17. Juni verlassen hatten. So schwamm ich dann im Strom mit und befolgte die Ansage des medizinischen Direktors, bei den hohen Temperaturen von Beginn an pro Stunde 1 bis 1,5 Liter zu trinken. An jedem Verpflegungspunkt griff ich beherzt zu, um die dafür insgesamt erforderlichen 20-30 Plastikbecher mit Wasser zu leeren. Schnell vergingen so die Kilometer, denn auch die Trommler- und Sambagruppen, Rock-, Jazzbands sowie ein klassisches Orchester kamen in dichter Folge vorbeigezogen. Besonders unter den Brücken ergab das zusammen mit den applaudierenden Läufern einen ohrenbetäubenden Lärm.
Richtig heiß wurde es dann um die Mittagszeit ab km 35, als wir den schattigen Kurfürstendamm verließen und uns dem Potsdamer Platz näherten. Doch anders als im letzten Jahr hatte ich meinen Tiefpunkt früher und hier schon überwunden. Dazu trugen auch meine Frau und Kinder bei, die mich an diesem kritischen Punkt nochmals anfeuerten.
Nach dem Einbiegen auf die Zielgerade Unter den Linden war das Brandenburger Tor schon von weitem zu sehen. Danach waren es zwischen den mit 6.000 Zuschauern besetzten Tribünen nur noch 300 m bis in Ziel. Zwar war ich am Ende 2 Minuten langsamer als im Vorjahr und hatte mein Ziel, unter 4 Stunden zu bleiben, erneut knapp verfehlt. Dem warmen Wetter mussten aber offensichtlich auch viele Mitläufer Tribut zollen, denn ich konnte mich um fast 3.000 Plätze auf Platz 14.923 verbessern. Auch der Wunderläufer Gebrselassie aus Äthiopien konnte seinen im letzten Jahr in Berlin aufgestellten Weltrekord dieses Jahr nicht weiter verbessern. So erhielten dann alle Läufer im Ziel die Medaille mit dem Sieger von 2008 und der darauf eingebrannten, weiterhin gültigen Weltrekord-Zeit von 2:03:59.
Richtig angenehm war die Wärme dann wieder, als sich Tausende nassgeschwitzter und erschöpfter Läufer auf den großen Rasenflächen vor dem Reichstag und dem Kanzleramt mit ihren Angehörigen trafen. Während die Läufer viel von den Eindrücken entlang der Strecke zu berichten hatten, konnten die Zuschauer von vielen lustig verkleideten Läufern erzählen. So lagen auch wir noch lange in der Sonne und stärkten uns vor der Heimfahrt.

